Forschungen Geschichtliche Atlanten

Geschichtlicher Atlas von Hessen

Entstehung, Ziele und Aufgaben

1984 hat das Hessische Landesamt mit dem "Geschichtlichen Atlas von Hessen" ein über Jahrzehnte betriebenes Unternehmen zum Abschluß gebracht, mit dem Hessen als erstes Bundesland ein komplettes, kommentiertes Kartenwerk besitzt, das eine breite Palette landeskundlicher und historischer Themen behandelt.

Dieses großräumig und langfristig angelegte Projekt geht auf die Anfänge des Landesamtes zurück. Da es zunächst keine zusammenfassenden Untersuchungen auf historisch-topographischer Grundlage für ein solches Vorhaben in Hessen gab, wurden auf Anregung des Marburger Mediävisten Edmund E. Stengel als erstes kleinräumige Untersuchungen vorgenommen, in denen die älteren Siedlungs- und Verfassungsverhältnisse des hessischen Raumes und seiner Territorien systematisch erforscht und kartographisch dokumentiert worden sind. Diese notwendigen Vorarbeiten sind zunächst als Einzelstudien in einer eigens gegründeten Publikationsreihe, den Schriften des hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, erschienen. Sie erfassen nahezu gesamt Hessen und bilden seit langem eine unentbehrliche Grundlage für die landesgeschichtliche Forschung. Parallel zu diesen Untersuchungen und detaillierten Betrachtungen bereitete man seit den fünfziger Jahren im Hessischen Landesamt einen zusammenfassenden geschichtlichen Handatlas vor, der für Unterrichtszwecke an Universitäten und Schulen sowie für Geschichtsfreunde allgemein konzipiert wurde und sich auf den Gesamtbereich des 1945 geschaffenen Landes Hessen bezieht. Dieser maßgeblich von Friedrich Uhlhorn entwickelte "Geschichtliche Atlas von Hessen", der seit 1960 in Teillieferungen erschien, umfaßt 79 Karten auf 53 Blättern (Inhaltsübersicht) und wurde 1984 mit dem von Fred Schwind herausgegebenen zugehörigen Text- und Erläuterungsband zum Abschluß gebracht. Das Zusammenwirken von Historikern, Geographen, Archäologen, Germanisten und Volkskundlern hat einen Atlas geschaffen, der die Landesgeschichte unter vielfältigsten Gesichtspunkten behandelt.

Weiterführende Literatur:

Reuling, Ulrich, Der hessische Raum als "Geschichtslandschaft": Die Entwicklung der historischen Raumvorstellungen im Spiegel der hessischen Atlasunternehmen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 34, 1984, S. 163-192.

Uhlhorn, Friedrich, Der geschichtliche Atlas von Hessen. Planung und Gestaltung, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 23, 1973, S. 62-80.

Cramer, Claus, Aufgaben und Probleme landesgeschichtlicher Atlanten. Dargestellt am hessischen Atlaswerk, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 23, 1973, S. 81-140. 

Konzeption und Inhalt von Kartenwerk und Textband

Der von Edmund E. Stengel begründete und von Friedrich Uhlhorn geschaffene "Geschichtliche Atlas von Hessen" erschien von 1960 bis 1978 in zwölf Lieferungen mit insgesamt 79 Karten auf 53 Blättern und wurde 1984 mit dem von Fred Schwind herausgegebenen Text- und Erläuterungsband abgeschlossen.

Nach der von Stengel festgelegten Grundkonzeption stehen die Karten zur politischen Geschichte mit ihren Territorial- und Verwaltungskarten im Mittelpunkt, um die schwierigen territorialpolitischen Entwicklungen in Hessen angemessen darzustellen. Diese Blätter werden ergänzt durch Karten zur Siedlungsgeschichte, die in Marburg eine starke Tradition hat, zur Kirchengeschichte, Rechtsgeschichte, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Volkskunde, Sprachwissenschaft und Namenkunde.

Der für die Hauptkarten gewählte Maßstab 1:600.000 ermöglichte es, die Geschichte des heute hessischen Raums und seiner Nachbargebiete in einem handlichen Format kartographisch darzustellen. Nebenkarten erhielten einen kleineren, jedoch mit den Hauptkarten meist gut vergleichbaren Maßstab. Spezialkarten zu ausgewählten Problemen dienen zur Vertiefung einzelner, besonders wichtiger Fragen. Der Text- und Erläuterungsband gibt durch seine ausführlichen Kommentare Hilfen zu einem weiteren Eindringen in das Kartenwerk. Durch die Mitarbeit zahlreicher Wissenschaftler - neben Historikern vor allem Geographen, Archäologen, Germanisten und Ethnologen - konnte ein Überblick zur hessischen Geschichte entstehen. Dabei erörtern die Kommentare jeweils die für die Kartengestaltung maßgeblichen Prinzipien, bieten eine inhaltliche Einführung in das Kartenthema, wobei auch das allgemeine historische Umfeld berücksichtigt wird, und geben Hinweise zur Interpretation des Kartenbildes. Die Atlaskarten bilden den Leitfaden, dem der Textband folgt. Mit seinen Beiträgen zu thematischen Blättern bietet er eine auf bestimmte Schwerpunkte konzentrierte Geschichte Hessen. Der Text- und Erläuterungsband besitzt gegenüber dem Kartenwerk dank seiner grundlegenden Beiträge ein eigenes Gewicht und kann nicht zuletzt aus diesem Grund gesondert bezogen werden (s. Bezugsmöglichkeiten ).

Inhaltsübersicht zu den Karten

Die Karten im "Geschichtlichen Atlas von Hessen", die einzeln oder in einer Sammelmappe bestellt werden können (s. Bezugsmöglichkeiten ), umfassen Blätter zu folgenden Themen:

Blatt 1 Höhenschichtenkarte von Hessen
Blatt 2 Geologische Übersichtskarte von Hessen
Blatt 3 Klimakarten
Blatt 4 Bodenübersichtskarte von Hessen
Blatt 5 Jungsteinzeit, Bandkeramische Kultur in Hessen; Hügelgräberbronzezeit
Blatt 6 Römische Zeit, 1. bis 3. Jh. n.Chr.; Ringwälle und Höhenwege
Blatt 7 Frühfränkische Zeit; Sachsen- und Wendenfeldzüge der frühen Karolinger
Blatt 8 Die Gaue vor und nach 800
Blatt 9 Besitzkarte frühkarolingischer Klöster
Blatt 10 Reichskirchengut vom 10. bis zum 13. Jh.
Blatt 11 Karolingisch-ottonisch und salisch-staufisches Reichsgut
Blatt 12 Kirchliche Einteilung. Stifte und Klöster bis in das 16. Jh.
Blatt 13 Die territoriale Entwicklung Hessens 1247-1866 (Hessen 1247-1567; Hessen-Marburg 1567-1604)
Blatt 14 Hessen-Kassel 1567-1866; Hessen-Darmstadt 1567-1866
Blatt 15 Die territoriale Entwicklung Nassaus
Blatt 16 Die territoriale Entwicklung des Kurfürstentums Mainz
Blatt 17 Die territoriale Entwicklung des Kurfürstentums Trier an Rhein und Lahn; Die Einflußbereiche der Grafen von Katzenelnbogen
Blatt 18 Hessen um 1550
Blatt 19 Städte, Märkte, Flecken
Blatt 20 Stadtrechte 12.-15. Jh.; Landrechte 1792
Blatt 21 Die Organisation der Reichsritterschaft am Ende des Alten Reiches; Der Wetterauer Grafenverein; Hessen-Kassel und Nordwestdeutschland
Blatt 22 Hessen im Jahre 1789
Blatt 23 Hessen in napoleonischer Zeit (1803, 1807, 1812); Königreich Westfalen
Blatt 24-26 Verwaltungseinteilung 1821-1955. Verwaltungsgebietsreform 1968-1981
Blatt 27 A, B Einteilung der Evangelischen und Katholischen Kirche in der Neuzeit
Blatt 28 Siedlungsnamen-Typen
Blatt 29 Landstraßen und Chausseebau vom 16. bis 19. Jh.
Blatt 30 Die Entwicklung des Eisenbahnwesens
Blatt 31 A, B Autobus-Verkehr. Die Dichte der Linien im Einzugsbereich zentraler Orte
Blatt 32 Burgen 900-1500
Blatt 33 A, B Burgengrundrisse
Blatt 34 A Frankfurt vom frühen Mittelalter bis zur Mitte des 17. Jhs.
Blatt 34 B Hanau vom 12. bis zur Mitte des 17. Jhs.
Blatt 34 C Mainz vom frühen Mittelalter bis zum Anfang des 17. Jhs.
Blatt 35 A, B Mittelalterliche Stadtgrundrisse
Blatt 36 Stadtkreisgrenzen und Besiedlungsflächen. Zur Entwicklung der großstädtischen Räume Frankfurt und Kassel
Blatt 37-38 Zur wirtschaftsräumlichen Gliederung Hessens; Bodennutzung
Blatt 39 Wüstungskarten
Blatt 40-41 Ländliche Siedlungsformen
Blatt 42 Volkskunde: Wiegenformen, Gesindetermine, Trachten
Blatt 43 Mundarten
Blatt 44-45 Zur Bevölkerungsgliederung und -veränderung in Hessen

Bezugsmöglichkeiten von Kartenwerk und Textband

Der Geschichtliche Atlas von Hessen, begründet und vorbereitet von Edmund E. Stengel, fortgeführt von Friedrich Uhlhorn, besteht aus einem Kartenwerk sowie einem zugehörigen Text- und Erläuterungsband:

Kartenwerk:
79 Karten zur hessischen Geschichte auf 53 Blättern, Lieferung 1-12, 1960-1978, hg. vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde, ISBN 3-92154-97-3, komplett in Sammelmappe € 100,-. Die Bestellung des vollständigen Kartensatzes oder der Bezug einzelner Blätter zum Preis von € 3,- bis € 8,- ist postalisch, telefonisch, per Fax oder E-Mail Verlag.hlgl@mailer.uni-marburg.de direkt im Hessischen Landesamt möglich. Weitere Kontaktangaben unter Gesamtverzeichnis.

Text- und Erläuterungsband:
Text- und Erläuterungsband, hg. von Fred Schwind, 1984. XIV u. 338 S., mit Abb. ISBN 3-921254-95-7, geb. € 44,-. In dieser Veröffentlichung werden von Fachwissenschaftlern verschiedener Disziplinen folgende Kartenblätter kommentiert bzw. interpretiert:

Hessischer Städteatlas

Mit dem Hessischen Städteatlas setzt das Landesamt die seit seiner Entstehung schwerpunktmäßig betriebene historisch-kartographisch Grundlagenforschung in einem neuen Langzeitprojekt fort. Ziel dieses auf mehrere Jahrzehnte konzipierten Unternehmens ist die Herausgabe historischer und moderner Stadtgrundrisse, die einen hohen Quellenwert besitzen und wichtige Aufschlüsse über Ortsgeschichte und Siedlungsentwicklung geben. Zu bearbeiten sind ca. 140 Städte im Bereich des heutigen Landes Hessen, die bereits im Mittelalter bzw. in der Frühen Neuzeit entstanden sind und immer noch als Stadt bestehen. Der Hessische Städteatlas will sowohl der lokalen Stadtgeschichte wie der interdisziplinären vergleichenden Städteforschung dienen. In seiner äußeren Gestalt und seinen inhaltlichen Schwerpunkten schließt er daher an den Deutschen Städteatlasses und andere laufende Atlas-Projekte an und bildet durch seine Konzeption einen Beitrag zum Gesamtvorhaben eines europäischen Städteatlasses. Jede hessische Stadt soll eine Atlas-Mappe mit sechs separaten, überwiegend mehrfarbigen Blättern zur Siedlungstopographie und -entwicklung von den Anfängen bis zur Gegenwart erhalten. Hinzu kommt ein Textheft mit ausführlichen Erläuterungen zu den Karten und einem Abriß der Ortsgeschichte.

Weiterführende Literatur:

Braasch-Schwersmann, Ursula, Gräf, Holger Th., The Historic Towns Atlas of Hesse (Hessischer Städteatlas), in: Urban History Newsletter 24, 1998, S. 7-8.

Die von Spinola eingenommenen 56 Städte, Schlösser und Flecken, vorwiegend in der Rheinpfalz (1620-1621). (aus: Franz Hogenberg / Abraham Hogenberg, Geschichtsblätter. herausgegeben und eingeleitet von Fritz Hellwig, Nördlingen 1983, Nr. 436)
 

Historisches Ortslexikon des Landes Hessen

Historische Ortslexika gehören zu den Grundlagenwerken der landesgeschichtlichen Forschung. Sie bieten kurz gefaßte Basisinformationen zur Geschichte aller bestehenden Städte, Dörfer und sonstigen Ansiedlungen und erfassen darüber hinaus auch ausgegangene Orte mit einem selbständigen Namen.

Wissenschaftliche Tradition, Entstehung, Ziele und Aufgaben

Das 1964 von dem damaligen Leiter des Landesamtes, Walter Schlesinger, als neues Großprojekt in den Arbeitsplan des Instituts aufgenommene „Historische Ortslexikon des Landes Hessen“ knüpft an ältere Unternehmen dieser Art an. Neben Quelleneditionen und geschichtlichen Atlanten gehören diese Projekte zu den ältesten Vorhaben der landesgeschichtlichen Forschung in Deutschland. Auf Initiative des „Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine“ wurden 1900 erstmals „Vorschläge für die Ausarbeitung historischer Ortsverzeichnisse“ veröffentlicht, um entsprechende Vorhaben anzuregen. In Hessen reichen die ersten Pläne bis in das ausgehende 19. Jahrhundert zurück. 1918 legte Heinrich Reimer ein kurz gefaßtes „Historisches Ortslexikon für Kurhessen“ vor, das allerdings erst 1925 gedruckt werden konnte. Ein ähnliches, jedoch sehr viel breiter angelegtes Ortslexikon für den Volksstaat Hessen erschien 1937 von Wilhelm Müller unter dem mißverständlichen Titel „Hessisches Ortsnamenbuch“ für die damalige Provinz Starkenburg. Die beiden geplanten Folgebände für die Provinzen Rheinhessen und Oberhessen sind kriegsbedingt nicht mehr zustande gekommen. 
Da die bisherigen Veröffentlichungen unvollkommen bzw. nicht ausreichend erschienen, wurde der Wunsch in den sechziger Jahren immer dringlicher, ein neues, modernen wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Historisches Ortslexikon für das Gesamtgebiet des 1945 geschaffenen Landes Hessen zu erarbeiten. Auch in anderen Ländern verfolgte man damals entsprechende Pläne, was zu einer regen Debatte über die Frage nach der angemessenen Konzeption und Form solcher regionaler Ortslexika geführt hat. Im Unterschied zu dem 1957 von Karlheinz Blaschke für Sachsen vorgelegten Typ eines kurzgefaßten, vorwiegend auf statistischen Angaben abzielenden Werkes hat man sich in Hessen für die ausführlichere Form eines topographisch-beschreibenden Ortslexikons entschieden, wie es in ähnlicher Weise auch in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz bearbeitet wird.
Das Historische Ortslexikon des Landes Hessen ist ein vielseitiges Nachschlagewerk, das sich an Allgemein- und Landeshistoriker, an Siedlungsgeographen und Namenforscher sowie an Kenner und Liebhaber der Heimatgeschichte wendet. Nicht zuletzt dient es Zwecken der öffentlichen Verwaltung und wird in zunehmendem Maß von der Denkmalpflege in Hessen genutzt.

Weiterführende Literatur:
Reuling, Ulrich, Auf der Suche nach der angemessenen Konzeption und Form: Die Arbeit an regionalen Historischen Ortslexika in Deutschland seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 127, 1991, S. 47-64 [mit bibliographischen Nachweisen aller abgeschlossenen und in Arbeit befindlichen Historischen Ortslexika in Deutschland].

Inhalt

Das Historische Ortslexikon von Hessen erscheint in Lieferungen auf der Grundlage der 1974 abgelösten Kreiseinteilung des Landes. Erfaßt werden alle bestehenden und ausgegangenen Siedlungen mit selbständigen Namen sowie Ortsteile, Einzelhöfe, Burgen, Mühlen und Industriesiedlungen. Sämtliche Ortsartikel sind nach einem einheitlichen, in acht Hauptpunkte untergliederten Schema bearbeitet. Es umfaßt im einzelnen: 
Angaben zur Topographie der Siedlung einschließlich der Beschreibung ihrer Ortsform und Lage; die namentliche Ersterwähnung und weitere Namensformen; Daten zur Entwicklung von Siedlung, Gemarkung und Bevölkerung. Ausführliche Berücksichtigung finden Verwaltung und Gerichtsbarkeit, Kirche und Kulturpflege sowie die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Besitzverhältnisse am Ort. Weiterhin sind Besonderheiten der örtlichen Wirtschaft aufgeführt. Hinweise auf ortsgeschichtliche Literatur beschließen jeden Ortsartikel. In einem Anhang werden die durch die Verwaltungs- und Gebietsreform des Jahres 1974 auf gemeindlicher Ebene eingetretenen Veränderungen nachgewiesen. Die jeder Lieferung beigefügte Karte im Maßstab 1:50.000 enthält neben den Kreis- und Gemarkungsgrenzen und allen bestehenden Siedlungen auch die Ortswüstungen und aufgegebenen Wohnplätze, die nicht zuletzt wichtige Hinweise für die Archäologie und Siedlungsforschung bieten.

Bearbeitungsschema

Die Historischen Ortslexika des Landes Hessen erfassen alle bestehenden Städte und Dörfer, alle ausgegangenen Siedlungen mit selbständigen Namen sowie Ortsteile, Einzelhöfe, Burgen, Mühlen und Industriesiedlungen. Sämtliche Ortsartikel, die in alphabetischer Reihenfolge stehen, werden nach einem einheitlichen, in acht Hauptpunkte unterteilten Schema bearbeitet. Die Gliederung umfaßt im einzelnen:

1. Lage
2. Siedlung
    a) Topographische Siedlungsformen
    b) Namensformen
    c) Bezeichnungen der Siedlung
    d) Gemarkung einschließlich Siedlungsentwicklung
    e) Statistische Angaben zu Zahl und Gliederung der Einwohnerschaft
3. Verfassung und Verwaltung, Gericht
    a) Zugehörigkeit zu weltlichen Verwaltungs- und Gerichtsbezirken, Gerichtsbarkeit
    b) Besitzverhältnisse, Ortsadel
    c) Gemeinde
4. Kirche und Schule, Kulturpflege
    a) Ortskirchen, Patrozinien, Pfarrzugehörigkeit, Patronat, Klöster und Stifter, Bekenntniswechsel
    b) Kirchliche Mittelbehörden
    c) Juden
    d) Schulen, Hospitäler, kulturelle Einrichtungen
5. Mittelpunktfunktionen
6. Wirtschaft, einschließlich Markt, Münze, Zoll
7. Historische Ereignisse und Sonstiges
8. Literatur

Übersicht zu den bisher erschienenen Lieferungen, Bezugsmöglichkeiten und Preise

Bereits erschienen und postalisch, telefonisch, per Fax oder E-Mail Verlag.hlgl@mailer.uni-marburg.de direkt im Hessischen Landesamt zu beziehen, alle Kontaktangaben hier.
 
 
1. Historisches Ortslexikon des Kreises Witzenhausen. Bearb. von Waldemar Küther. XXVI u. 166 S., 1 Karte. 1973. ISBN 3-7708-0496-1 brosch. € 10,-
2. Historisches Ortslexikon Fritzlar-Homberg. Ehem. Landkreis. Bearb. von Waldemar Küther. XXII u. 355 S., 1 Karte. 1980. ISBN 3-7708-0679 brosch. € 20,-
3. Historisches Ortslexikon Marburg. Ehem. Landkreis und kreisfreie Stadt. Bearbeitet von Ulrich Reuling. XXVIII u. 363 S., 1 Karte. 1980. ISBN 3-7708-0678-6. Vergriffen
4. Historisches Ortslexikon Biedenkopf. Ehem. Landkreis. Bearb. von Ulrich Reuling. XXI u. 136 S., 1 Karte. 1986. ISBN 3-7708-0837-1. brosch. € 15,-
5. Historisches Ortslexikon Ziegenhain. Ehem. Landkreis. Bearb. von Ulrich Reuling. XXV u. 249 S., 1 Karte. 1991. ISBN 3-7708-0960-2. brosch. € 25,-
6. Historisches Ortslexikon Gießen. Ehem. Landkreis und kreisfreie Stadt. Bearb. von Ulrich Ritzerfeld unter Verwendung von Vorarbeiten von Ulrich Reuling. In Vorbereitung
7. Historisches Ortslexikon Frankenberg. Ehem. Landkreis. Bearb. von Ulrich Ritzerfeld. In Vorbereitung

Die Flurnamensammlungen im Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde

Entstehung und Gegenstand der Flurnamensammlungen

Flurnamensammlungen dienen dazu, den historischen und rezenten Bestand sowohl der amtlichen wie der im Volksmund überlieferten Bezeichnungen als Sprachzeugnisse und Geschichtsquellen zu bewahren und diese besonderen Kulturzeugnisse der Forschung nutzbar zu machen. 
Die Flurnamensammlungen im Hessischen Landesamt beruhen hauptsächlich auf Sammelaktionen, die vor allem in den dreißiger und mit Ergänzungen in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts im Gebiet der ehemals preußischen Provinz Hessen-Nassau durchgeführt worden sind. In der ersten Phase der Erfassung haben örtliche Sammler, zumeist aus der Lehrerschaft, die rezenten Flurnamen gemarkungsweise abgefragt, topographisch festgelegt und in Listen notiert. Dem damaligen „Institut für geschichtliche Landeskunde in Hessen und Nassau“ und Vorläufer des heutigen Landesamtes oblag die zentrale Organisation sowie die Weiterbearbeitung und systematische Erschließung der Sammelergebnisse. Bereits 1929 hatte diese Forschungseinrichtung damit begonnen, die amtlichen Flurnamen des Regierungsbezirks Kassel, soweit sie aus den vor der Verkoppelung der Gemarkungen im späteren 19. Jahrhundert angefertigten katasteramtlichen Karten und Unterlagen zu ersehen waren, auf der Basis der einzelnen Gemeinden zu exzerpieren und kartographisch zu erfassen, nicht zuletzt für die Forschungsarbeiten am Geschichtlichen Atlas von Hessen. Die im Institut durchgeführte Auswertung wurde 1932 durch die Erhebung der in Urkatastern des späten 18. bzw. frühen 19. Jahrhunderts archivalisch überlieferten Flurnamen ergänzt. Der in den drei verschiedenen Sammelaktionen des Landesamtes zusammengeführte mündliche, amtliche und archivalische Namenbestand umfaßte bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges etwa 150.000 Belege. Integriert wurden mehrere Privatsammlungen mit örtlich erhobenen Flurnamen des 19. und 20. Jahrhunderts. Im Rahmen einer letzten großen, 1964 eingeleiteten Maßnahme konnte der Bestand der mündlich überlieferten Flurnamen im Gebiet der ehemaligen Provinz Hessen-Nassau (Regierungsbezirk Kassel und Wiesbaden) um 50.000 Belege erweitert werden. Ihren Abschluß fanden die bis dahin geleisteten Arbeiten zunächst mit der Verzettelung des Gesamtbestands aller inzwischen zusammengetragenen Flurnamen in Ortskarteien. Zusätzliche Befragungen im früheren Gebiet von Hessen-Darmstadt ließ der Sprachforscher und Professor für Germanistik Hans Ramge seit 1980 für das Hessische Flurnamenarchiv an der Justus-Liebig-Universität von Gießen aus durchführen, so daß nunmehr Belege und Nachweise aus allen Bereichen und Gemarkungen im heutigen Hessen zusammengetragen worden sind. Allerdings sind Vollständigkeit und Qualität der einzelnen Erhebungen unterschiedlich, z.T. aufgrund von Überlieferungslücken oder uneinheitlichen Kriterien bei den Befragungen. Dennoch besitzen sie großen Wert für die Forschung und werden in vielerlei Hinsicht genutzt. 
 

Inhalt der Flurnamensammlungen

Die Flurnamensammlungen im Hessischen Landesamt umfassen im einzelnen: 
-    Mündlich/mundartlich überlieferte rezente Flurnamen, mit Übersichtskarten 
-    Amtliche Flurnamen des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit Übersichtskarten 
-    Amtliche Flurnamen aus den Urkatastern des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts 
 

Gliederung und Benutzung der Flurnamensammlungen

Die Flurnamensammlungen im Landesamt stehen der wissenschaftlichen und heimatkundlichen Benutzung allgemein zur Verfügung. Um Voranmeldung (s. Kontakte) wird gebeten. 
Der Gesamtbestand der Sammlungen aus den dreißiger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist in einer nach Altkreisen gegliederten Ortskartei erfaßt und benutzbar. Darüber hinaus sind alle mündlich überlieferten Flurnamen durch ein alphabetisches Gesamtverzeichnis des lemmatisierten Namenbestands erschlossen. Dieses mit Hilfe der EDV in den 1980er Jahren geschaffene Zusammenstellung umfaßt auch die zu jener Zeit im Hessischen Flurnamenarchiv an der Justus-Liebig-Universität in Gießen unter der Leitung des Germanisten Professor Hans Ramge durch Nachbefragungen erhobenen rezenten Flurnamen aus den ehemals hessen-darmstädtischen Bereich. Die Flurnamensammlung und Flurnamenforschung wird seit den achtziger Jahren in Hessen zentral vom Gießener Flurnamenarchiv fortgeführt. Ein Hessisches Flurnamenbuch ist von dort aus in Vorbereitung. 
Auf Grundlage der Flurnamensammlungen und unter Beteiligung des Landesamtes erschien 1987 als großes wissenschaftliches Projekt auf Basis dieses wichtigen sprachgeschichtlichen Materials der von Hans Ramge herausgegebene Hessische Flurnamenatlas. Die Kooperation des Landesamtes mit dem Deutschen Sprachatlas in Marburg und dem Flurnamenarchiv in Gießen dauert an. Die umfangreichen Sammlungen besitzen nicht nur in sprachgeschichtlicher Hinsicht besonderen Wert, sondern auch für andere Bereiche der Landeskunde, etwa für die Forschungsarbeit am Historischen Ortslexikon des Landes Hessen oder für die Untersuchungen zum Hessischen Städteatlas in Verbindung mit Fragen der Siedlungsentwicklung und historischen Geographie. 


Karte und Flurbezeichnungen von Manderbach, Kreis Dill.
 

Weiterführende Literatur

Wolf, Herbert, Hessische Flurnamensammlung. Ein Tagungsbericht, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 14, 1964, S. 345-354. 

Wolf, Herbert, Aktionen, Ergebnisse und Aufgaben der Flurnamensammlungen in Hessen, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 15, 1965, S. 265-288. 

Vielsmeier, Bernd, Zur Erhebung hessischer Flurnamen, in: Gießener Flurnamenkolloquium, 1.-4. Oktober 1984, hg. von Rudolf Schützeichel (Beiträge zur Namenforschung NF, Beiheft 23), 1985, S. 634-641. 

Ramge, Hans, Flurnamenforschung als sprachliche Landesforschung, in: Berichte zur deutschen Landeskunde 71, 1997, S. 91-106. 

Hessischer Flurnamenatlas, hg. von Hans. Ramge (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, Neue Folge 3), 1987.